Vinted und Steuern

Vinted meldet manche Verkäufer. Zu prüfen, was gemeldet wird, ist deine Aufgabe.

Die vier ausführlichsten deutschen Ratgeber zu Vinted, gelesen am 3. September 2026, enden alle mit demselben Rat: führe eine einfache Liste deiner Verkäufe, mit dem Artikel, dem Verkaufspreis und dem ursprünglichen Einkaufspreis. Keiner liefert sie mit. Diese Seite tut es, Spalte für Spalte.

Der erste Grund dafür ist unangenehm einfach. Wenn du nicht zeigen kannst, was ein Artikel dich gekostet hat, bleibt nur der Verkaufspreis übrig, und der sieht aus wie Gewinn. Vinted hat nie gewusst, was du bezahlt hast, also steht es auch in keiner Meldung.

Der zweite Grund steht in keinem dieser Ratgeber. Vinted füllt das DAC7-Formular für dich vorab aus und schreibt dazu, du müsstest nichts selbst berechnen. Das Bundeszentralamt für Steuern schreibt das Gegenteil: prüfe die Übersicht, die du bekommst, und melde dich rechtzeitig bei der Plattform, wenn etwas nicht stimmt, denn ändern kann sie nur die Plattform. Zum Prüfen brauchst du eigene Zahlen. Genau die hat sonst niemand für dich.

Cavri ist kein Steuerberater und gibt keine Steuerberatung. Cavri ist Inventarsoftware: sie hält fest, was du für einen Artikel bezahlt hast, was er gebracht hat und an welchen Tagen beides passiert ist, und gibt ein Kalenderjahr als CSV heraus. Die Regeln selbst stehen unten, im Gesetz und beim Bundeszentralamt für Steuern, wo sie gepflegt werden.

Geprüft am 3. September 2026 · PStTG, BZSt und Vinted im Wortlaut · keine Steuerberatung

01 / Meldung

Eine Meldung ist noch keine Steuerforderung

Das Bundeszentralamt für Steuern beantwortet das auf seiner Seite für Anbieter in zwei Sätzen: „Sie erhalten nicht automatisch eine höhere Steuerfestsetzung“, und die Daten werden „als Kontrollmitteilungen im Rahmen der steuerlichen Veranlagung in den Finanzämtern verwendet“. Es ist also kein Bescheid und keine Beschuldigung. Es ist eine Angabe, die neben deiner eigenen liegt, wenn dein Fall bearbeitet wird.

02 / Grenze

Beim dreißigsten Verkauf bist du drin, nicht beim einunddreißigsten

Das Gesetz stellt frei, wer Waren „in weniger als 30 Fällen“ verkauft hat. Weniger als 30 heißt: bei 30 ist die Freistellung weg. Vinted formuliert es auf seiner deutschen Hilfeseite genauso und nennt „30 oder mehr abgeschlossene Verkäufe“. Die Anbieterseite des Bundeszentralamts beschreibt dieselbe Grenze an zwei Stellen unterschiedlich, einmal als „nicht mehr als 30 Fällen“, einmal als „mehr als 30 Transaktionen“. Bei genau 30 gehen die beiden auseinander, der Gesetzestext nicht. Geprüft am 3. September 2026.

03 / Steuer-ID

Was passiert, wenn du die Steuer-ID nicht gibst

Das Bundeszentralamt schreibt es unverblümt: wer nicht mitwirkt, den muss der Plattformbetreiber nach Hinweisen und Warnungen von der Plattform entfernen oder die ausstehende Vergütung einbehalten. Vinted braucht dafür nur die Steuer-ID und füllt den Rest aus deinem Konto vor; ändern kannst du sie nur bis zur Einreichungsfrist. Cavri kann hier nichts tun: es kennt deine Steuer-ID nicht und schaltet nichts frei.

Die Januar-Übersicht gegenprüfen

Anfang des Jahres bekommst du von Vinted eine Übersicht der Daten, die für das Vorjahr gemeldet werden, aufgeteilt nach Quartalen. Das Bundeszentralamt sagt, du sollst sie prüfen, und dass nur die Plattform sie noch korrigieren kann. Fünf Schritte, und der erste muss vor dem Jahresende passieren.

  1. Einkaufspreise eintragen, Am einzelnen Artikel, in einem Zug über eine ganze Auswahl, oder mit einem CSV-Import, der bis zu 2000 Zeilen je Datei nimmt. Diese Zahl steht in keiner Meldung nach § 14 PStTG und in keiner Übersicht von Vinted, weil niemand außer dir sie kennt. Bleibt das Feld leer, zählt es als null.
  2. Das Kalenderjahr ziehen, Auf der Statistikseite gibt es eine Auswahl für das Steuerjahr. Für ein Konto auf vinted.de reicht sie vom 1. Januar bis zum 31. Dezember, also genau über den Meldezeitraum des PStTG. Der Zeitraum kommt aus dem Markt des Kontos und nicht aus einer Einstellung; neun der zehn Vinted-Märkte, die Cavri bedient, rechnen so. Die Auswahl füllt die beiden Datumsfelder mit dem, was der Server ermittelt hat.
  3. Die Verkäufe zählen, Der Export gibt eine Zeile je verkauftem Artikel heraus, ältester Verkauf zuerst, also ist die Zahl der Zeilen die Zahl der Verkäufe im Zeitraum. Weicht sie von der Übersicht ab, hat eine der beiden Seiten einen Verkauf, den die andere nicht hat, und das findet man leichter im Januar als später.
  4. Je Quartal zusammenrechnen, Gemeldet wird die Vergütung je Quartal. Der Export liefert dafür die Bausteine, den Verkaufspreis und das volle Datum je Zeile, aber keine fertige Quartalssumme: das Summieren ist eine Formel in deiner Tabelle und keine Zahl, die Cavri druckt.
  5. Abweichungen melden, Stimmt etwas nicht, geht das an Vinted und nicht an das Finanzamt. Nur der Plattformbetreiber kann eine Korrekturmeldung veranlassen, und die Frist, auf die alles zuläuft, ist der 31. Januar nach dem Meldezeitraum.

Dieser 31. Januar ist der Tag, bis zu dem Vinted meldet, nicht der Tag, bis zu dem du etwas abgeben musst. Die beiden werden regelmäßig verwechselt.

Die Liste, Spalte für Spalte

Zehn Spalten in dieser Reihenfolge, eine Zeile je verkauftem Artikel. Worum es auf dieser Seite geht, steht in der dritten Spalte: was sich mit der jeweiligen Angabe gegenüber einem Finanzamt oder einem Steuerbüro belegen lässt, und was nicht.

SpalteWas darin stehtWas sie belegt
item_idDie Nummer, die Cavri dem Artikel gegeben hat, ab VIN-0001 aufwärts im jeweiligen Kleiderschrank.Dass zwei Zeilen wirklich zwei Artikel sind. Sie überlebt ein erneutes Hochladen, die Artikelnummer von Vinted nicht, also wird ein zweimal eingestellter Artikel nicht zu zwei Verkäufen.
titleDer Titel des Inserats.Was verkauft wurde. Für § 23 EStG ist genau das die Frage, nämlich ob es ein Gegenstand des täglichen Gebrauchs war. „Jeans Gr. 38“ beantwortet sie, „Konvolut“ beantwortet sie nicht.
storefrontDer Marktplatz. Heute steht überall „vinted“.Dass die Zeile zu Vinted gehört. Gezählt wird je Plattform, also ist das die Spalte, die eine Cavri-Datei sauber von deinen Verkäufen anderswo trennt.
conditionDer Zustand, in dem der Artikel eingestellt war.Für sich genommen nichts. Über viele Zeilen hinweg sagt sie eher etwas darüber, was für ein Verkäufer du bist: durchweg „neu mit Etikett“ liest sich anders als getragen.
purchase_priceWas du bezahlt hast. Leer, wenn du es nie eingetragen hast.Den Einkauf, und sonst belegt ihn nichts. Diese Zahl steht in keiner Meldung, in keinem Vinted-Export und auf keiner Abrechnung. Fehlt sie, bleibt der Verkaufspreis allein stehen.
listed_priceDer Preis, der gefordert war.Den Abstand zwischen Forderung und Erlös. Für die Meldung ist er ohne Bedeutung, für die Frage nach einer Gewinnabsicht ist er ein Anhaltspunkt unter mehreren.
sold_priceWas der Artikel tatsächlich gebracht hat.Die Seite der Rechnung, die Vinted ohnehin kennt. Das ist die Spalte, die du gegen die Vergütung in der Januar-Übersicht hältst.
profitVerkaufspreis minus Einkaufspreis, wobei ein leerer Einkaufspreis als null zählt. Es wird keine Plattformgebühr abgezogen.Eine Rechnung, keine steuerliche Größe. Ein Gewinn im Sinne des EStG ist das nicht: Porto, Verpackung und alles Weitere fehlen darin.
listed_atDer Tag, an dem das Inserat online ging.Ungefähr, wie lange der Artikel bei dir lag. Nur ungefähr: ein erneutes Hochladen setzt das Datum auf den Tag des erneuten Hochladens, und für die Jahresfrist des § 23 EStG zählt ohnehin der Tag der Anschaffung, den Cavri nicht kennt.
sold_atDer Verkaufstag, und das Datum, auf das der Zeitraum filtert.In welchen Meldezeitraum und in welches Quartal die Zeile fällt. Ein als verkauft markierter Artikel ohne Datum fällt aus jedem datierten Zeitraum heraus, steht also im Gesamtexport und in keinem Jahr.

Preise stehen mit zwei Nachkommastellen darin, Daten als vollständige ISO-Zeitstempel. Eine deutsch eingestellte Tabellenkalkulation liest beides nicht von selbst richtig: der Dezimalpunkt ist bei ihr ein Komma, und einer Spalte mit Zeitstempeln muss man meist erst sagen, dass sie Daten enthält.

Was die Zahlen entscheiden, und was nicht

Zwei Grenzen entscheiden, ob Vinted dich meldet, und sie werden regelmäßig falsch verknüpft. Das PStTG schreibt nicht den Auslöser auf, sondern die Ausnahme: nach § 4 Absatz 5 Nummer 4 ist freigestellt, wer auf derselben Plattform im Meldezeitraum in weniger als 30 Fällen Waren verkauft und dafür weniger als 2.000 Euro bekommen hat. Beides muss zutreffen, damit du freigestellt bist. Wer eine der beiden Grenzen überschreitet, ist es nicht mehr. Vinted beschreibt es auf seiner deutschen Hilfeseite als „mindestens eine der folgenden Bedingungen“. Wer schreibt, man werde ab 30 Verkäufen und 2.000 Euro gemeldet, hat die Ausnahme in den Auslöser verwandelt. Und die Bagatellgrenze gilt nur für den Verkauf von Waren: für Dienstleistungen, Vermietung und Verkehrsmittel gibt es sie überhaupt nicht.

Gemeldet wird an das Bundeszentralamt für Steuern und nicht an dein Finanzamt; von dort laufen die Daten weiter, und bei Bedarf auch an die Steuerbehörden anderer EU-Staaten. Die Frist steht in § 13 PStTG. Was übermittelt wird, steht in § 14, und es ist mehr, als die meisten erwarten: Name, Anschrift, Geburtsdatum, Steueridentifikationsnummer, die Kennung deines Finanzkontos, die Vergütung je Quartal und die Zahl der Verkäufe je Quartal. Ein Einkaufspreis steht in dieser Aufzählung nicht, und deshalb ist die Liste deine Aufgabe und nicht die von Vinted.

Gezählt wird je Plattform, und das steht so im Gesetz: die Ausnahme gilt für Verkäufe „unter Inanspruchnahme derselben Plattform“. Vinted zählt Vinted, Kleinanzeigen zählt Kleinanzeigen, und niemand rechnet die beiden für dich zusammen. Cavri sieht ohnehin nur Vinted, also ist jede Zahl aus Cavri eine Zahl über deine Vinted-Verkäufe und über nichts sonst.

Ob überhaupt etwas zu versteuern ist, hängt daran, was du tust, und nicht daran, dass es Vinted war. Wer den eigenen Kleiderschrank leert, ist ein anderer Fall als wer einkauft, um weiterzuverkaufen, und der zweite kann schon ab dem ersten Verkauf gewerblich sein, sobald eine Gewinnabsicht erkennbar ist. Welcher der beiden Fälle deiner ist, entscheidet weder diese Seite noch die Software. Das Bundeszentralamt verweist an genau dieser Stelle auf die rechts- und steuerberatenden Berufe, und dabei bleibt es hier auch. Entschieden wird es an Belegen, und die sind der Grund, warum es die Liste gibt.

Was Cavri nicht tut

  • Es erstellt keine Einnahmenüberschussrechnung. Andere deutsche Werkzeuge werben mit einer auf Knopfdruck. Cavri liefert das Material, aus dem eine gemacht wird, und nicht die fertige Rechnung.
  • Es reicht nichts ein und ist mit keiner Behörde verbunden. Keine Steuererklärung, keine DAC7-Meldung, keine Vollmacht.
  • Es rechnet nichts je Quartal zusammen. Die Übersicht von Vinted ist nach Quartalen aufgeteilt, der Export ist es nicht: er gibt eine Zeile je Verkauf mit vollem Datum, das Summieren bleibt bei dir.
  • Es datiert nach dem Verkaufstag, nicht nach dem Zahlungseingang. Gemeldet wird die Vergütung nach dem Quartal, in dem sie gezahlt oder gutgeschrieben wurde. An einer Quartalsgrenze können die beiden Angaben auseinandergehen, und dann ist keine von beiden falsch.
  • Es zieht keine Plattformgebühr ab. Vinted nimmt einem privaten Verkäufer keine Verkaufsgebühr, und den Käuferschutz zahlt der Käufer zusätzlich zu deinem Preis. Geld abzuziehen, das du nie gezahlt hast, würde deine Einnahmen zu klein aussehen lassen.
  • Es bewertet keinen unverkauften Bestand. Im Export stehen nur verkaufte Artikel.
  • Es kennt kein Porto, keine Verpackung, keine Fahrten und deine Zeit erst recht nicht.
  • Es weiß nichts über Umsatzsteuer. Ob die Kleinunternehmerregelung nach § 19 UStG auf dich zutrifft, steht im Gesetz, das unten verlinkt ist, und nicht in der Software.
  • Es kann einen Einkaufspreis nicht rekonstruieren, den du nie erfasst hast. Ein Artikel, der verkauft wurde, bevor du das Feld gefüllt hast, kommt mit leerer Kostenspalte heraus.

Wo die Regeln stehen, und wer sie pflegt

Diese Seite nennt zwei Grenzen, eine Frist und mehrere Paragrafen beim Namen und sagt bei jedem dazu, woher er kommt. Nachgelesen wurde alles am 3. September 2026. Die Beträge in diesen Vorschriften bewegen sich und diese Seite bewegt sich nicht mit: weicht eine Zahl hier von der Fassung unten ab, gilt die Fassung unten.

Fragen zu Vinted und Steuern

Meldet Vinted meine Verkäufe an das Finanzamt?

Nicht direkt. Gemeldet wird an das Bundeszentralamt für Steuern, und von dort gehen die Daten als Kontrollmitteilung in die Veranlagung bei deinem Finanzamt. Wohnst du in einem anderen EU-Staat, tauscht das Bundeszentralamt sie bei Bedarf mit der dortigen Steuerbehörde aus.

Vinted hat sich nicht bei mir gemeldet. Bin ich dann nicht dabei?

Vinted schreibt, wenn du nichts hörst, brauchst du nichts zu tun, und dass es sich bis Jahresende meldet, falls du die Schwellen erreicht hast. Du erfährst es also erst, wenn das Jahr fast vorbei ist. Deine eigene Zählung ist die einzige, die dir schon im Juni sagt, wo du stehst.

Vinted füllt das Formular vorab aus. Muss ich es überhaupt prüfen?

Das Bundeszentralamt sagt ja, ausdrücklich, und es sagt auch, dass du dich bei falschen oder unvollständigen Angaben rechtzeitig bei der Plattform melden sollst, weil nur sie eine Korrekturmeldung veranlassen kann. Für die Steuer-ID kommt eine zweite Frist dazu: Vinted lässt das Formular nur bis zur Einreichungsfrist noch einmal ändern.

Muss ich versteuern, was ich aus dem eigenen Kleiderschrank verkaufe?

§ 23 EStG nimmt Gegenstände des täglichen Gebrauchs von den privaten Veräußerungsgeschäften aus, und für alles andere Bewegliche endet die Frist ein Jahr nach der Anschaffung. Vinted schreibt auf seiner deutschen Hilfeseite dasselbe in eigenen Worten, nämlich dass der Verkauf von Alltagsgegenständen wie Kleidung nicht besteuert wird, auch wenn dabei ein Gewinn entsteht. Der Paragraf ist unten verlinkt, damit du den Wortlaut selbst lesen kannst. Deinen Fall entscheidet diese Seite nicht.

Gibt es eine 40-Verkäufe-Regel?

In keinem Gesetz. Die Zahl geistert durch Foren und Ratgeber, und es gibt keine Stelle, an der sie steht. Verwechselt wird sie meist mit den 30 aus dem PStTG, und die entscheiden über eine Meldung und nicht darüber, ob du gewerblich bist. Das ist eine Frage nach Absicht und Muster, keine nach einer Stückzahl.

Welche Unterlagen sollte ich aufheben?

Je Artikel fünf Dinge: was du bezahlt hast, was er gebracht hat, wann er eingestellt wurde, wann er verkauft war, und den Beleg für den Einkauf, soweit es einen gibt. Die ersten vier hält Cavri und gibt sie als eine Zeile heraus. Den Beleg hält es nicht, der muss woanders liegen. Dass du eigene Aufzeichnungen führst, setzt das Bundeszentralamt übrigens voraus: es nennt die Übersicht der Plattform etwas, womit du sie abgleichen kannst.

Was ist, wenn ich nie eingetragen habe, was ein Artikel gekostet hat?

Der Artikel kommt mit leerer Kostenspalte heraus, und sein Gewinn ist dann der volle Verkaufspreis, weil ein fehlender Einkaufspreis überall in Cavri als null zählt und die Zeile nicht verschwinden lässt. Nachtragen geht jederzeit, am Artikel oder über eine ganze Auswahl, und danach exportierst du das Jahr einfach noch einmal.

de/vinted-artikel-erneut-hochladen

Trag die Einkaufspreise ein, bevor die Übersicht kommt.

Der Export liegt auf jedem Tarif. Er ist aber nur so viel wert wie die Einkaufspreise, die darin stehen, und die müssen eingetragen sein, bevor das Kalenderjahr zu Ende ist.

Abonnements werden in Euro abgerechnet.

Kostenlos starten: 100 Artikel